Liebeleien – Valentinstagsliebe in Köln

Die schönste Kölner Liebesgeschichte am Valentinstag

Das Band der Liebe, nach­er­zählt von Hans-Georg Renner

Im Haus Neu­erburg am Gülich­platz war Anfang des letzten Jahr­hun­derts die Ver­waltung der größten deut­schen Ziga­ret­ten­fabrik, die Firma Neu­erburg. Herr Neu­erburg stiftete 1913 den Fast­nachts­brunnen auf dem Gülich­platz, direkt vor seinem Fir­mensitz. Auf dem Brunnen sind Reliefs von Paaren zu sehen, es sind die Köl­schen Knechte und Mägde. Oberhalb der Paare ist die 5. Strophe des „Kölner Mum­men­schanz“ von Johann Wolfgang von Goethe ein­gra­viert:
Löblich wird ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn;
Hei­terkeit zum Erden­leben, sei dem flüch­tigen Rausch Gewinn“.

1928 arbeitete im Haus Neu­erburg Henni. Henni war eine junge Frau, aus­ge­stattet mit allen Reizen die einen Mann beglücken können und reif für die Liebe. Die Männer die sie kannte, kamen aber allesamt nicht in Frage, denn Henni sehnte sich nach ihrem ganz beson­deren Mann.

In ihrer Mit­tags­pause ging sie immer zum Brunnen, träumte von der Liebe und schrieb auf ihren Notiz­block, kleine Zeilen voller Sehn­sucht oder kleine Lie­bes­ge­dichte, was ihr Herz gerade bewegte oder erträumte. Danach hielt sie den Zettel unter das Brun­nen­wasser, damit die Schrift ver­schwamm und warf den Zettel in den Papierkorb. Sie wollte nicht, dass jemand ihre Zeilen, die direkt aus ihrem Herzen kamen, lesen sollte.

Am Valen­tinstag im Jahre 1928 war es, da wurde sie ganz dringend aus der Mit­tags­pause zurück zur Arbeit gerufen. Sie konnte in der Eile die Tinte nicht mehr abwi­schen, aber im Laufen gerade noch den Zettel mit ihren Lie­beszeilen zer­knüllen und zum Papierkorb werfen. Aber er landete nicht im Korb, sondern auf den Rand und der Wind wehte ihn zurück zum Fast­nachts­brunnen.

Einige Minuten später kam Gregor, ein junger Mann, anmutig und schön, zum Brunnen. Er machte eine kleine Pause, schaute sich den Brunnen an und er sah den Zettel auf dem Boden. Er war nicht der Typ Mann, der jedes Papier vom Boden aufhob, aber merk­wür­di­ger­weise fühlte er sich von dem geknud­delten Papier vor seinen Füßen ange­zogen. Er spürte einen inneren Drang, diesen Zettel doch auf­zu­heben.

Gregor war von den Zeilen und der Hand­schrift so angetan und in seinem Herzen so tief berührt, dass er die Ver­fas­serin unbe­dingt kennen lernen musste. Er wartete am Brunnen, denn er hoffte, dass diese Frau wieder kam. Aber das Haus Neu­erburg hat auf der rück­wär­tigen Haus­seite noch einen Ausgang und so tauchte die Frau nicht auf, die sein Herz sofort erkannt hätte. Es war merk­würdig, aber er fühlte tief im Herzen, dass er weiter warten müsse und wartete auch das ganze Wochenende. Da Warten müde macht, nickte er immer wieder einmal kurz ein. Als er aber am Montag früh zum Brunnen kam, hatte Gregor sich vor­be­reitet.

Er band sich einen Faden um sein Hand­gelenk und das andere Ende um den Zettel. Sollte er also nun einmal während des Wartens ein­nicken, kann ihm der Zettel nicht ver­loren gehen. Gegen Mittag nickte Gregor, müde vom Warten, tat­sächlich ein und kurze Zeit später kam Henni wie gewohnt zu ihrer Mit­tags­pause an den Brunnen.

Sie sah ihren Zettel auf dem Boden, sah daran den Faden der zu Gregor führte, sah Gregor und ihr Herz pochte laut. Sie wusste, dass er der Mann ist auf den sie tief in ihrem Herzen sehn­suchtsvoll wartete und dem ihre Zeilen und natürlich ihre Liebe gehören sollte.

Schnell und auf­geregt zog sie sich einen Faden aus ihrem Kleid, knotete es an den Zettel und das andere Ende um ihr Hand­gelenk. Dann zupfte sie leicht an dem Faden.

Gregor wurde davon wach, sah den Faden der ihn nun mit Henni verband und sein Herz quoll über vor Glück, denn er sah die Frau seiner Träume direkt vor sich.

Sie umarmten und lieb­kosten sich innig und lei­den­schaftlich und beteu­erten ihre Liebe zuein­ander. Sie konnten ihr Lie­bes­glück kaum fassen und ver­gaßen ihre Fäden, und die Mit­tags­pause, die nun mal leider auch ein Ende hat. Henni wurde also zur Arbeit gerufen und in einem Tanz lösten sie sich von den Fäden. Gregor wartete hier auf sie.

Und jedes Jahr am Valen­tinstag, ihrem Jah­restag, tanzten sie mit ihren Fäden am Fast­nachts­brunnen, ihren ganz beson­deren Lie­bestanz …